
Eiffelturm, Notre Dame, Centre Pompidou, Louvre, Champs-Elysées, Schloss Versailles – was für Weltberühmtheiten gibt es in Paris nicht alles zu entdecken! Und am Abend und in der Nacht sorgen sündige Erotiktempel im trendigen Szeneviertel Marais dafür, dass in der Stadt der Liebe ans Schlafen nicht zu denken ist ...
Einen klangvollen Namen und ein internationales Renommee genießen in der schwulen Welt bekanntlich einige Metropolen: Amsterdam, San Fransisco, New York, London, Berlin, Kapstadt, Sydney – und natürlich Paris. Nun ist es aber in vielen schwulen Epizentren zweifelsohne nicht so, dass sich an jedem beliebigen Abend die Nacht zum Tage machen ließe. Vielerorts wird in der Woche hart gearbeitet, und die Partyszene ist letztlich - wie in vielen anderen kleineren Städten auch – eine reine Wochenendveranstaltung. Gut für ehrgeizige Yuppies, schlecht für erlebnishungrige Touristen. Nicht so in Paris. In dieser Stadt, pardon, Metropole, sind tagtäglich unzählige Saunen, Cruising-Bars, Cafés und Discotheken für den schwulen Gast geöffnet und auch während der Woche sehr gut besucht.
Da nun aber die französische Hauptstadt nicht unbedingt zu jenen Städten zählt, die sich mal eben mit einem dezenten Griff aus der Portokasse besuchen lässt, sollte man darauf achten, die Reise günstig vorzubereiten. Die Billig-Airlines fliegen mittlerweile aus fast jeder großen Stadt in die französische Hauptstadt, bei rechtzeitiger Buchung lässt sich da so mancher Euro sparen. Besucher aus Nordrhein-Westfalen dagegen steigen besser in Köln oder Aachen in den Thalys-Zug ein. Nicht nur der günstige Preis (ab 59 Euro) überzeugt, auch der Service an Bord sucht seinesgleichen. Für zuweilen nur wenige Euro mehr bekommt der Reisende in der 1. Klasse kostenlos Tageszeitungen, Getränke und ein Bordmenü serviert. Das Tollste: In nur 3:51 Stunden (ab Köln) ist man mitten in Paris (Gare du Nord) und nur noch fünf U-Bahn-Stationen vom Zentrum der Schwulenszene entfernt. Das spart im Vergleich zum Flieger nicht nur Geld für die recht teure Zugfahrt vom Flughafen Charles de Gaulle in die Innenstadt, sondern vor allem auch wertvolle Zeit. Und die will man in der berühmten Stadt der Liebe schließlich nutzen!
Zimmer ist nicht gleich Zimmer ...
Wer auf Nummer sicher gehen will und eine gayfriendly Unterkunft sucht, ist bei Enjoy Bed and Breakfast an der richtigen Adresse. Vor dreizehn Jahren gründete Inhaber Uwe die schwul-lesbische Zimmervermittlungsagentur und vermittelt seitdem gemeinsam mit seinen neun Mitarbeitern schwulen, lesbischen und heterosexuellen Touristen eine passende Unterkunft – natürlich auch in Frankreich. Der Service wird großgeschrieben: Wenige Stunden nach der im Internet aufgegebenen Buchungsanfrage meldet sich Ebab und informiert, ob die Unterkunft noch zu haben ist oder nicht. Ein Klick genügt, und schon ist das Zimmer – oder gar die Wohnung – gesichert.
Wer nicht privat unterkommen möchte, sondern ein gayfriendly und ein nahe der Schwulenszene gelegenes Hotel sucht, muss nicht verzagen: Das familiär geführte „Hotel des Archives“ im Marais-Viertel hilft aus der Patsche. Das 3-Sterne-Haus, zentral gelegen zwischen Centre Pompidou und Place de la Republique, überzeugt durch sein außerordentlich freundliches und entgegenkommendes Personal, seine moderne Zimmereinrichtung samt Wireless LAN-Internet-Zugang und Plasma-TV-Bildschirm.

Und von hier hat man es nicht weit bis zur Gay-Szene. Diese hat sich im High Society-Viertel Marais niedergelassen. Das Viertel im 4. Arrondissement ist zu einem der beliebtesten der Stadt aufgestiegen, wie ein Blick in die Schaufenster der hiesigen Immobilienmakler verrät. Hier gibt es viel zu entdecken: Ateliers, Edelboutiquen, Galerien, Antiquitätengeschäfte, Museen und zahlreiche kleine alternative Cafés verleihen dieser Gegend einen eigenen Charme – inklusiv schwuler Dauerpräsenz in den Straßen und Gassen. Kein Wunder, dass unzählige Bars, Cafés und Restaurants um die Gunst der schwulen Kundschaft wetteifern. Empfehlenswert ist das zentral in der Schwulenszene gelegene „Open Cafe“ mit zahlreichen Sitzplätzen auf dem Trottoir. Wie in kaum einem anderen Café heißt es hier: Sehen und gesehen werden ...
Cafés, Cruising-Tempel und mehr ...
Ein Dauerbrenner, wenn auch nicht mit dem allerbesten Ruf in der Pariser Szene, ist der Cruising-Tempel „Le Depot“. Man mag als Berlin-Besucher von der Größe des „Connections“ beeindruckt sein, das „Le Depot“ spielt in einer anderen Liga. Auf rund 1.400 Quadratmetern, verteilt auf drei Ebenen, vergnügen sich in den verwinkelten Gängen und düsteren Kabinen Tag für Tag die erlebnishungrigen Männer der Stadt. Entgegen einer weit verbreiteten Meinung, die Pariser Schwulenszene sei eine einzige schicke Modenschau, findet sich in dem Club eine angenehm breite Palette unterschiedlicher Typen ein: Der alternativ gekleidete Alt-68-er und der junggebliebene Muskeltyp in den 40ern ebenso wie der 20jährige Skater von nebenan. Und während oft in anderen Städten lediglich von 22.00 Uhr bis 3.00 Uhr lüstern gecruist werden kann, kann man sich hier von 14.00 Uhr bis 8.00 Uhr morgens lustvoll die Zeit vertreiben. Aber Cruising ist nicht alles: Wer lieber der aktuellen House-Musik frönen will, findet alternativ zwei Tanzflächen vor. Freilich sollte man einer neuen Pariser Bekanntschaft am nächsten Tag besser nicht berichten, man sei „zum Tanzen ins Depot“ gegangen – milder Spott ist vermutlich das Mindeste, was man für diese Aussage ernten wird ...
Und weil das „Depot“ bis zum heutigen Tag für die Inhaber eine einzige Gelddruckmaschine ist, hat man gleich um die Ecke eine neue schwule Investitionsgelegenheit gefunden: „Sun City“ – die nach eigenem Bekunden mit 1.950 Quadratmetern „größte Gay-Sauna der Welt“. Der Innenarchitekt dieses Schwitztempels hat aber allem Anschein nach mehr die sexhungrigen Besucher als die erholungsbedürftigen Wellness-Liebhaber im Blick gehabt. So wurde die kleine finnische Sauna derart lieblos inmitten der Kabinenlandschaft platziert, dass man es lieber vorzieht, auf das Wellness-Angebot dankend zu verzichten. Fitnessbewusste Sauna-Besucher, die auf einen Gang ins Gym nicht verzichten wollen, können dagegen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Neben einer großzügigen Cruising-Area auf der zweiten Etage befindet sich im ersten Stock auf rund 200 Quadratmetern ein mit einer Vielzahl moderner Geräte ausgestattetes Fitness-Studio, das keine Wünsche offen lässt.
Qual der Wahl in der Nacht
Tanzfreudige Partyheuschrecken haben in der Nacht die Qual der Wahl, rund zehn Nachtclubs und vier große Gay-Partys stehen in der Regel auf dem Partykalender. Das „Les Bains-Douches“ kommt recht edel und stylisch daher und hat sich vom House-Club par excellence zu einem mittlerweile musikalisch gemischten Gay-Club entwickelt. Alle 14 Tage samstags ab 23.30 Uhr ruft nun die „Brooklyn Session“-Party in den „Bains Douches Club's restaurant floor“. Aber egal, welche Musikrichtung auf der Agende steht: Edel sind in jedem Fall die Preise. Während die 20 Euro Eintritt immerhin noch ein Freigetränk beinhalten, wird es anschließend sündhaft teuer: Für ein Wasser, eine Cola oder eine Dose Bier (0,33) werden happige acht Euro (!) verlangt. Dabei ist das „Les Bains Douches“ kein Einzelfall, das Getränke-Preisniveau in der angesagten In-Disco „Mix“ ist ähnlich. Das sollte einem aber nicht den Paris-Aufenthalt versäuern. Schließlich gibt es genug alternative Möglichkeiten, den Abend preiswert und beschwingt zu beginnen – auch im Marais-Viertel wimmelt es nur so von preiswerten Kiosken und Supermärkten ...
Daneben empfiehlt es sich, sich das in den Szeneläden ausliegende Magazin „2 X“ zu besorgen. Im dem zweiwöchentlich erscheinenden Blatt werden übersichtlich die angesagtesten Partys und Events aufgelistet. Aber angesichts der zahlreichen Szene-Hot-Spots nicht verzagen: Selbst alteingesessene Pariser geben freimütig zu, längst nicht alle Szene-Treffpunkte aus dem Effeff zu kennen.

Nun, zu welcher Zeit drängt sich ein Besuch in der Stadt an der Seine geradezu auf? Alljährlich zweifelsohne zum Gay Pride-Wochenende Ende Juni dem größten schwul-lesbischen Event Frankreichs. Seit vielen Jahren ist der Termin am letzten Juni-Wochenende für viele Schwule aus Deutschland ein Ärgernis, konkurriert er doch terminlich häufig mit dem Berliner CSD. Aber warum nicht mal die Abwechslung à la francaise wagen?

